|
Fernando Tarres 4tet - LIVE PICS |
|

|

|

|

|
|

|

|

|

|
|

|

|

|

|
Veranstaltungsort: Sägewerk Bad Hofgastein,
|
fotos: © gerhard kemptner
|
Tag 9: Das Fernando Tarres 4tet im Sägewerk
"Neue Wege aus dem musikalischen Erbe>"
Konzertbericht von Thomas Hein
Ein künstlerisches Fazit kann man gegen Ende von zehn Tagen ”Latino America”, dem Thema des
achten Snow Jazz Gastein-Festivals mit Sicherheit ziehen, dass nämlich die Entwicklung der Musik,
das Verhältnis zwischen Tradition und Moderne, zwischen Volksmusik und zeitgenössischer (Kunst)musik
völlig anders als in der nördlichen, westlichen Hemisphäre verlaufen ist. Die Trennung zwischen den
musikalischen Genres ist in Europa und Nordamerika meist klar, Grenzgängertum eher die Ausnahme als
die Regel, Richtungsänderungen durch die wechselnden Marktbedingungen Einschnitte erkennbar. So kann
die Anfangsthese über den musikalischen Kontinent Südamerika als Terra Incognita etwas umgedeutet
werden, vielleicht ein wenig erkennbarer, doch im allgemeinen Verständnis völlig anders, die Gründe
dafür sind vielfach politischer, wirtschaftlicher und kultursoziologischer Art, ein für Musikforscher
lohnenswertes Feld.
Die Person des Komponisten und Gitarristen Fernando Tarres aus Buenos Aires könnte man fast als
finales, zukunftsweises Statement des Festivals, und dessen Leiter und Motor Sepp Grabmaier verstehen.
Fernando Tarres hat in seinen Jahren in den USA (in Boston und New York) seinen kompositorischen
Ansatz geformt, sein Konzert im Sägewerk spiegelte seinen Aufbruch aus bekannten künstlerischen
Bereichen. Gitarre, Tenorsaxofon (Natalio Sued), Kontrabaß (Jerónimo Carmona) und Schlagzeug
(Marcos Baggiani) sind im Jazz bekannte und vielfach verwendete instrumentale Zutaten, das
künstlerische Ergebnis ein sehr ungewohntes. Im Zentrum stehen nicht der Bandleader Tarres
als Virtuose oder ein solierender Saxofonist, sondern die Komposition. Fernando Tarres steht
wie seine argentinischen Kollegen in der Tradition der Musik seines Landes, doch wie er seine
eigenen Wege geht – oder in Ausnahmefällen Fremdkompositionen interpretiert – unterscheidet
ihn wesentlich von anderen Musikern. Er setzt eine Vielzahl von Melodielinien nebeneinander,
die er ineinander verwebt, Komposition und Improvisation verschwimmen, dazu ein ebenfalls
beinahe solierendes Schlagzeug, das rhythmisch füllt oder zusätzlich Kontraste und Arzente
setzt. Ähnliches hat man vor vielen Jahren vom brasilianischen Gitarristen Egberto Gismonti
und seiner Academia De Danças gehört, doch Tarres geht einen Schritt weiter. Wo Gismonti in
einem eher folkloristischen, impressionistischen, zeitgenössischen kammermusikalischem Kontext
bleibt, wird Fernando Tarres expressionistisch und folgt dem Weg der Contemporay Improvised Music
am Rande des Jazz. Tarres bleibt aber in der Grundstimmung des Konzertes gleich wie Gismonti
impressionistisch und den „Saudades“ verpflichtet, entfernt sich jedoch mit den erwähnten
„Ausbrüchen“ von den Klischees, lässt für die ZuhörerInnen genügend Platz in seinen Stücken
mit ausfransenden, offenen Schlüssen. Ein Komponist, der durchaus mit dem beim Festival
zuhörenden Luis Di Matteo oder auch dem berühmten Astor Piazzolla verglichen werden darf,
als erst 38jährigem steht Fernando Tarres eine große Zukunft bevor.
|
|